Ein Stück Afrika im Wolfer Kirchsaal

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Ein Stück Afrika im Wolfer Kirchsaal

Am vergangenen Dienstag, 1. September 2026, war es wieder so weit: Der monatliche Wolfer Seniorennachmittag fand statt. Trotz des Standortwechsels vom Dorfgemeinschaftshaus in den Kirchsaal war das Treffen gut besucht. Mehr als 20 Seniorinnen und Senioren kamen bei Kaffee und Kuchen zusammen und durften sich in diesem Monat auf einen ganz besonderen Gast freuen. Lilly Göhl, Enkelin der Organisatorin Irmgard Göhl, berichtete von ihrem dreimonatigen Aufenthalt in Uganda. Die 21-Jährige studiert dual Soziale Arbeit in Stuttgart und verbringt ihre Praxisphasen normalerweise in einer Verbandsgemeinde im Bereich der Jugendpflege. Im Zuge ihres Studiums dürfen die Studierenden allerdings ein Fremdpraktikum in einem anderen Bereich absolvieren und dabei hat sich Lilly für das ostafrikanische Land Uganda entschieden. Von Januar bis Anfang April 2026 war SALEM schließlich ihre neue Heimat. SALEM ist eine unabhängige Hilfsorganisation, die an mehreren Standorten auf der Welt vertreten ist. In Uganda verfügt SALEM unter anderem über ein Kinderheim, einen Kindergarten, eine Hebammenschule sowie ein Krankenhaus. Begleitet von Bilder und Videos teilte die 21-Jährige ihre Erlebnisse und ihren Alltag mit den Seniorinnen und Senioren, die gespannt zuhörten. Bei ihrer Ankunft in dem afrikanischen Dorf erlitt Lilly laut eigener Aussage erst einmal einen Kulturschock. Nach anfänglichem Unbehagen aufgrund der neuen und ungewohnten Lebensumstände fand die Studentin immer mehr Freude an der Arbeit mit den Menschen vor Ort. Schnell war das Heimweh überstanden und die Freude, Zeit mit den kleinen Kindern zu verbringen, riesengroß. Kaltes Wasser beim Duschen, beinahe jeden Tag dieselben Mahlzeiten und das Essen mit den Händen waren anfangs wohl die größten Umstellungen. Dennoch passte sich Lilly schnell an das neue Leben an. Im Januar war ihr Einsatzgebiet das Kinderheim. Dort half sie oft beim Abwasch, unterstützte bei Büroaufgaben, war dabei, als drei neue Kinder in das Kinderheim geholt wurden und hat mit den Kleinen gelacht, erzählt und gespielt. Für Staunen sorgte bei den Rentnerinnen und Rentnern dann ihre Zeit im Krankenhaus. Lilly berichtete, dass sie bei einem Kaiserschnitt zusehen durfte und sich später kurzerhand im OP-Saal wiederfand. Ein deutscher Chirurg kam nach SALEM und führte dort Operationen durch, bei denen die junge Frau ihn unterstützte, indem sie Besteck und Tupfer hielt – ohne jede medizinische Vorkenntnisse. Eine wichtige Bezugsperson für Lilly war Jule. Ebenso wie Lilly war sie Volunteer in SALEM. Wenn die beiden jungen Frauen zum Einkaufen gingen, hörten sie nicht selten, dass die Menschen ihnen „Mzungu“ hinterherriefen. Das Wort bedeutet „Weiße“. „Europäer haben in dieser Gegend Seltenheitswert und insbesondere Kinder sind ganz aufgeregt, fasziniert und wollten uns anfassen“, erzählt die Studentin. Erstaunt waren die Wolferinnen und Wolfer über Bilder von Bodabodas, ein Motorradtaxi und das typische Fortbewegungsmittel in Uganda. Auf den Motorradtaxis transportieren die Ugander alles Mögliche von Matratzen über Ziegen bis hin zu meterlangen Rohren. Mit teilweise bis zu vier Menschen auf einem Bodaboda prägen sie den Verkehr in dem ostafrikanischen Land.

Nach ihrer Zeit im Krankenhaus durfte Lilly im Kindergarten helfen. Dort unterstützte sie die Lehrerinnen, indem sie die Übungen und Hausaufgaben in die Hefte der Kinder gemalt und geschrieben hat. Lilly war jeden Tag erstaunt darüber, was die Lehrerinnen für tolle Arbeit leisten, trotz des enormen Geräuschpegels und des Chaos, so wie sie es beschrieb. „Es wurde viel tänzerisch und singend gelehrt, was immer viel Freude bereitet hat.“ Auch ihre Videos, die sie davon mit den Seniorinnen und Senioren teilte, sorgten für Lacher im Wolfer Kirchsaal.

Zum Ende ihrer Zeit in Afrika teilte sie einen Zusammenschnitt aus vielen verschiedenen Videos der letzten Wochen, versehen mit dem Kommentar: „Und so schnell sind die schönsten drei Monate in meinem Leben vorbei“. Es waren Einblicke, Erfahrungen und Erlebnisse, die die junge Frau prägen werden, ein Leben lang. Gerne hat sie diese mit den Seniorinnen und Senioren geteilt, wie sie am Ende ihres beinahe zweistündigen Vortrags sagte. Anschließend konnten sich die Rentnerinnen und Rentner noch mit der 21-Jährigen austauschen. „Das hätte ich mich nicht getraut“ oder „Das war sehr interessant, das mal zu sehen und zu hören. Ich bin nie wirklich aus Wolf rausgekommen“ bekam die Studentin mitgeteilt. Ein toller Nachmittag für alle Beteiligten.

Weitere Informationen über SALEM unter https://www.saleminternational.org/index.php

Text von Moritz Göhl (Bruder von Lilly)

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